Info close ×
+

Jean-Claude Kolly depuis 20 ans à la tête de La Concordia

Unisono – Donnerstag, den 31. Januar 2013


Aufgabestück und Zuzüger

Fortsetzung der Artikelreihe zur Vorbereitung eines kantonalen Musikfestes aus der Waadtländer Publikation «SCMV Mag». In dieser Folge behandeln wir ein Thema, das den Vereinen häufig Angst einflösst : das Aufgabestück. Und dazu wird noch von Zuzügern die Rede sein.

In dieser zweiten folge wird unser fachliches Beraterteam, bestehend aus Serge Gros und Laurent Carrel, durch Jean-Claude Kolly (Dirigent der Concordia Freiburg und der Gérinia Marly) ergänzt.


Das Aufgabestück : nur keine Panik !
Jean-Claude
Kolly mit einem für seine Musikleidenschaft typischen Ausdruck

Schon ganz am Anfang betonen alle drei Experten einen Punkt: der Dirigent muss sich für das Aufgabestück begeistern können und sofort seine Hand darauf halten. «Darum gilt es zu vermeiden, gleich nach Erhalt des Stückes mit gesenktem Kopf ans Partiturstudium zu gehen. Der Chef muss genug Zeit haben, vor der ersten Leseprobe im Verein das Stück auseinanderzunehmen», empfiehlt Jean-Claude Kolly.

Es gibt für ihn keinen Grund, nervös zu werden. «Wenn eine Musikgesellschaft die richtige Stärkeklasse gewählt und effizient gearbeitet hat, sollten acht Wochen zur Erarbeitung des Aufgabestückes ausreichen.

Das Dilemma mit dem Jahreskonzert

Für einige Vereine fällt jedoch der Erhalt des Aufgabestückes mit den letzten Vorbereitungen des Jahreskonzerts zusammen. Ist es schwierig, diese beiden Erfordernisse miteinander in Einklang zu bringen ? Laurent Carrel stellt fest, dass es immer schwierig sei, zwei Hasen gleichzeitig zu jagen.

«Ich meine aber, dass man trotz der Konzertvorbereitung wenigstens eine Lektüre des Aufgabestückes machen kann. Das gibt die Möglichkeit, einen Moment lang an etwas anderem zu arbeiten und dem Verein die Gelegenheit zu bieten, sich die jeweiligen Prioritäten in diesem Stück bewusst zu machen. Zudem ist es denkbar, dass diese parallel ausgeführten Arbeiten das Programm rund ums Jahreskonzert auflockern.»

Sich vom Wert des Aufgabestückes überzeugen !

«Viele Musikanten und Musikantinnen gehen leider von der Annahme aus, dass ein Aufgabestück gezwungenermassen eine Plage zum Anhören sein müsse», bedauert Laurent Carrel. «Das heisst, dass man sich auf keinen Fall mit einer negativen Einstellung dem Stück nähern soll, sondern sich vielmehr davon überzeugen lassen sollte, dass man bei bestem Einsatz das Stück noch interessanter machen kann.» Jean-Claude Kolly stimmt mit ihm überein : «Ich pflege jeweils zu sagen, dass es wichtig sei abzuwarten, bis die Arbeit am Stück vollendet ist, bevor man sich darüber eine Meinung machen kann !»

Ein weiterer Aspekt, der beachtet werden sollte, ist die Frage, ob das Stück vielleicht in seiner Instrumentierung angepasst werden muss. Gemäss dem Freiburger Dirigent gilt es, zwei Dinge auseinanderzuhalten: «Wenn bei uns im Verein eine Stimme fehlt, muss der Dirigent natürlich nach der besten Möglichkeit suchen, diese Elemente abzuändern und anderen Instrumenten zuzuordnen. Dabei heisst es, intelligent und kohärent vorzugehen (die Klangfarbe muss dem Original möglichst nahe kommen).»

Die Instrumentierung des Aufgabestücks verändern ?

«Wenn sich hingegen der Dirigent entscheidet, eine Veränderung vorzunehmen obwohl das im Original verlangte Instrument im Verein vorhanden ist, dann handelt es sich dabei schon eher um eine Grenzüberschreitung», meint Jean-Claude Kolly.

Laurent Carrel ist in dieser Hinsicht etwas weniger hart : «Ich denke, dass der Dirigent sehr wohl Änderungen vornehmen darf, insbesondere dann, wenn dadurch der Klangausgleich einer Stelle verbessert werden kann, oder wenn er sieht, dass eine Passage für einen seiner Musikanten zu schwierig zu werden droht. Hauptsache ist dabei natürlich, dass das Original dadurch nicht verunstaltet wird.»

Das Problem mit den Zuzügern

Wer Musikfest sagt, meint oft die Anwesenheit von Zuzügern. Serge Gros hat in dieser Frage eine recht klare Meinung. «Wenn man das Selbstwahlstück in Funktion des Vereins ausgesucht hat und wenn das Aufgabestück gescheit geschrieben ist, insbesondere mit gewissen Verdopplungen der Stimmen, dann muss ein Verein in der Lage sein, sich mit seinem Grundbestand an eine Kantonales zu begeben !»

Und er fügt bei : «Es ist ja schon klar, dass jeder Dirigent für seinen Verein nur die beste Qualität möchte, aber es gilt absolut, ein gegenseitiges Sich-Überbieten zu vermeiden, sonst verliert das Wettspiel jeden Sinn !» Jean-Claude Kolly fügt abschliessend noch hinzu, dass es auch eine Frage der Vereinsmentalität sei. Der Verein muss sich im Klaren sein, welche Ziele er erreichen möchte und mit welchen Mitteln. «Aber ich kann schon sagen, dass ich in der Jury immer wieder auch einen Blick auf den Verein werfe, und seine Besetzung in die Beurteilung mit einbeziehe.»


Jean-Claude Kolly : Kurzporträt

Mission Auftrag erfüllt : die Zufriedenheit des Chefs nach dem Wettspiel

Jean-Claude Kolly wurde am 7. Juli 1961 in Freiburg geboren. Er studierte Klavier und Trompete und dann Musiktheorie, Gesang und Orchestrierung am Konservatorium Freiburg, wo er schliesslich das Musiklehrdiplom für das höhere Lehramt erwarb.

In Lausanne studierte er Orchesterdirektion, Orchestration und Komposition bei Hervé Klopfenstein und Jean Balissat und erhielt im Frühjahr 1988 das Diplom für Orchesterdirektion.

Jean-Claude Kolly beginnt seine Karriere als Dirigent des Chores Lè Tsèrdziniolè de Treyvaux. Dann übernimmt er 1984 die Gérinia aus Marly. Während dreier Jahre leitet er die Harmonie Municipale aus Yverdon und sieben Jahre lang ist er musikalischer Leiter der Brass Band Fribourg. Im Jahr 1993 wird er zum Dirigenten der Concordia Freiburg gewählt, und heute ist er Dirigent der beiden Höchstklassvereine aus Marly und Freiburg.

Er ist Experte an regionalen, kantonalen und eidgenössischen Musikfesten und dazu ist er für den Internationalen Musikbund (CISM) als Dozent für die professionnelle Juryausbildung bei Musikwettbewerben engagiert. Er unterrichtet Blasmusikdirektion an der Musikhochschule Lausanne und am Konservatorium Freiburg sowohl für den berufsbegleitenden Lehrgang als Auch für den Berufslehrgang [Bachelor und Master]. Jean-Claude Kolly ist seit 2004 Mitglied der Musikkommission des SBV.


2013-01-31 Unisono


Share This