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Eine Ode an den Frieden

Freiburger Nachrichten – Montag, den 19. November 2012

Die Concordia wartete zum 130-jährigen Bestehen mit einem Ereignis der besonderen Art auf. 350 Akteure führten die Messe «The Armed Man – Mass for Peace» von Karl Jenkins auf.

Die Concordia rüttelte an den Grundfesten des Equilibre und brachte den Konzertpalast samt Zuhörerschaft zum Vibrieren / Bild Corinne Aeberhard

Orchester, Sängerinnen und Sänger, die Solisten Claire Bournez (Alt), Salomé Zangerl (Sopran), Grégoire May (Bass) und Philippe Jacquard (Tenor) sowie ein überragender Dirigent in perfekter räumlicher Umgebung präsentierten am Samstag im Freiburger Equilibre ein Werk, das wohl seinesgleichen sucht, aber ins Bild der Postmoderne passt : «The Armed Man – Mass for Peace» von Karl Jenkins. Jenkins fand im französischen Renaissance-Chanson «L’homme armé» die passende Unterlage, um seine Vision von einer Welt des Friedens nach den zerstörerischen Balkankriegen in Musik zu setzen.

Jenkins begann seine Musikerkarriere als Oboist, wechselte zu verschiedenen Musikgruppen, wobei er mit «Adiemus» sowohl im Klassik- als auch im Popbereich sehr erfolgreich war, bis ihn auch die geistliche Chormusik in seinen Bann zog. «The Armed Man» wurde im Jahre 2000 in der Royal Albert Hall uraufgeführt.

Die Concordia Freiburg sowie die sieben beteiligten Chöre – unter anderem der Choeur Symphonique, La Chanson des 4 Saisons und La Villanelle, alle geleitet von Jocelyne und Louis Marc Crausaz – hatten bei dieser einmaligen Aufführung alles im Griff. Die Abstimmung im immensen Klangkörper war hervorragend.

Wie auf dem Schlachtfeld

Die Eröffnung des Konzertes bestritt der Kinderchor «Les Enchanteurs» gemeinsam mit der Concordia. Chöre aus Bizets «Carmen», von George Gershwin und Jocelyne Crausaz und Stephen Schwartz wurden beschwingt und mit lieblicher Eleganz vorgetragen und verinnerlichten schon einmal die Thematik.

Nach dem aufrüttelnden «L’Homme armé» folgt der Bet ruf nach islamischem Ritus, um Gott für einen guten Kriegsverlauf zu gewinnen. Darauf folgt das Kyrie –man ist irritiert – ganz im «cäcilianischen Stil». «L’Hymne before Action» leitet über zu «Charge», welches an Wucht und Intensität kaum zu überbieten ist. Chor und Orchester zeigen ihr Potenzial; wäre man nicht im Konzertsaal, man wähnte sich auf dem Schlachtfeld.

Das Ganze ist eine einzige Anklage : Krieg als Ausgeburt menschlicher Unvernunft. Chor und Orchester gelingt es, diesem Schrei exponentiell Ausdruck zu verschaffen. Sanctus, eine Art Rhapsodie im Bolero-Stil, Agnus Dei, ein intimes Soloquartett, und das pastorale Benedictus versöhnen uns wieder mit der Kunst und mit der Macht der Musik. Von den Interpreten mit melodiöser Inbrunst vorgetragen, bilden sie den mystisch-musikalischen Höhepunkt der Komposition. Kapriziös, fast engelgleich schweben die exzellenten Holzbläser daher.

Im Schlusschor «Better is Peace» beschwören Gesamtchor und Handtrommel repetitiv und leidenschaftlich den Frieden, bis alles in einen Acappella-Schlusschoral mündet. Kolly und all seine Helfer verstanden es, diese Kristallisationspunkte zu schärfen und so dem «Mess-Oratorium» Sinn und Würde zu verleihen.

Gelungene Symbiose

Jean-Claude Kolly hat für dieses Konzert die menschliche Stimme einbezogen. Luft und Atem sind Voraussetzung für Blas- und Vokalmusik, sind Grundlage für Leben, und Leben bedingt Frieden und Wohlergehen. Das ist die Message Jenkins’, aber Auch jene Kollys. Ein begeistertes Publikum empfand es ebenso.

Marcel Crottet



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